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Nachfolgend die Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Gerhard Reese anl. der Ausstellungseröffnung am 03. November 2000, Rathaus Putbus Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich darf Sie herzlich heute Abend zur Eröffnung der Ausstellung "Ich will nur die bittere Wahrheit zeichnen - Helen Ernst 1904 -1948" begrüßen. Besonders begrüße ich die Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, Frau Dr. Jacobeit, der ich gleichzeitig dafür danke, dass wir diese Dokumentation so schnell und unbürokratisch hier im Putbusser Rathaus verwirklichen konnten. Ebenso begrüße ich Herrn Hans Hübner aus Berlin, der zur Zeit damit befasst ist, im Rahmen der Reihe " Biografien europäischer Antifaschisten" die Biografie "Ein zerbrechliches Menschenskind - Helen Ernst" zu erarbeiten und sich bereiterklärt hat den Eröffnungsvortrag zu dieser Ausstellung zu halten. Herzlichen Dank dafür. Mein weiterer Dank gilt den Mitarbeitern der Gedenkstätte Ravensbrück sowie meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den letzten zwei Tagen diese Räume entsprechend herstellten und die Ausstellung aufbauten. Letztlich danke ich noch dem Ehepaar Barbara und Heinz Nied. Sie können leider heute Abend nicht zugegen sein. Sie haben die Verbindung zwischen der Stadt Putbus und der Gedenkstätte Ravensbrück hergestellt und auf die Ausstellung Helen Ernst's aufmerksam gemacht.
meine Damen und Herren, seit Monaten wird die Öffentlichkeit immer wieder durch feige und brutale Gewalttaten gegen Ausländer, Obdachlose oder Andersdenkende aufgeschreckt. Dies auch immer wieder im Zusammenhang mit der rechten Szene. Kein Tag, an dem die Medien nicht von ausländerfeindlichen Gewalttaten mitten in Deutschland berichten. Verfassungsschutz, Bürgerinitiativen, Glaubensgemeinschaften sowie andere politische und gesellschaftliche Gruppen warnen seit Jahren vor den rechten Extremisten. Die Neonazis vernetzen sich inzwischen per Handy, und Internet, der Staat scheint machtlos, immer unverfrorener treten Schläger und Rassisten in der Öffentlichkeit auf - aber die Mehrheit der Bürger schweigt, vielleicht auch nach dem Motto "der Staat wird's schon richten". Nein, meine Damen und Herren, so wird es eben nicht funktionieren und gerichtet. Jeder einzelne ist heute aufgerufen, sich gegen Gewalt im allgemeinen und gegen Extremismus im besonderen auszusprechen. Alle Teile der Gesellschaft müssen aufstehen und Gewalt und Extremismus eine Abfuhr erteilen. Sich nur auf Aufrufe von Politikern zu verlassen, ist zu wenig.
meine Damen und Herren, sehr wohl soll diese Ausstellung dazu dienen, das Wirken und unbestrittene Können Helen Ernst's wieder in Erinnerung zu rufen. Wegen der sozialen und antifaschistischen Haltung Helen Ernst's nehme ich diese Ausstellung aber auch zum Anlass, auf die verheerenden Folgen von Gewalt und Rechtsextremismus hinzuweisen, unter der Helen Ernst und tausende andere Frauen im KZ Ravensbrück gelitten haben. Ich verbinde daher auch mit dem heutigen Abend den Beginn aktiven Handelns und rufe insbesondere die Schulen unseres Kreises auf, in den nächsten Monaten die Gelegenheit wahrzunehmen, diese Dokumentation und Ausstellung zu besuchen, denn kein Eindruck wirkt besser als der visuelle. Ebenso werde ich in der Stadtvertretung dafür eintreten, im kommenden Haushalt Mittel zur Verfügung zu stellen, die unseren Schulen ab Klasse 6 ermöglichen, die Gedenkstätte Ravensbrück zu besuchen. Dies mit einer entsprechenden Projektarbeit zu verbinden, wäre mein Wunsch an die Lehrerinnen und Lehrer. meine Damen und Herren, lassen sie uns nicht zu denen gehören, die jeden Tag aufgeregt darüber diskutieren, was denn gegen Gewalt und Extremismus zu unternehmen sei. Lassen sie uns nicht zu denen gehören, denen nichts anderes einfällt, als nach staatlichen Maßnahmen zu rufen. Lassen sie uns vielmehr zu denen gehören, die mit Bürgerengagement und Zivilcourage aktiv teilnehmen am Aufstand gegen die ewig gestrigen. Lassen sie uns jeden Tag aufs Neue mit Worten und Taten gemeinsam für die Grundwerte Freiheit, Demokratie, Humanität und Toleranz eintreten, denn diese Grundwerte kennt der braune Mob nicht. Genau das ist aber unsere gemeinsame Stärke. In diesem Sinne lassen Sie uns den heutigen Abend verbringen und mit einer Minute des Schweigens den geschundenen Frauen des KZ Ravensbrück gedenken. |