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freeze - ein Kunstprojekt
 
Putbus - Die nächste Ausstellung des Kunstvereins mit dem Titel freeze fasst das gestörte Verhältnis von Kunst und Natur in den Blick. Zu dem thematischen Kunstprojekt werden Werke von acht Künstlerinnen und Künstlern aus Hamburg, Kiel, Düsseldorf, New York und Rügen gezeigt, die sich mit dem Thema auseinandersetzen oder deren Arbeiten neue Sichtweisen darauf anregen.

Der englische Titel des Projektes „freeze“ kommt aus der Comicsprache, in der sie die, oft in der Not ausgesprochene, Aufforderung an einen Feind meint, im gegenwärtigen Zustand zu erstarren meint. Im Zusammenhang mit dem Projekt bezeichnet „freeze“ den zum Scheitern verurteilten Versuch, den stetigen Wandel der Natur in einem Idealbild der Kunst festzuhalten.

Natur als Landschaft war ein zentraler Topos der Romantik. Darin erschien Natur zugleich als Sehnsuchtsort und als furchteinflößende Wildnis. Als realer Ort und mythische Verklärung, als gefährdete Natur und künstliche Anlage ist sie bis heute Projektionsfläche für eine Vielzahl von Assoziationen und Quelle von Anregungen für künstlerische Auseinandersetzungen.

Rolf Bergmeier bricht mit bildhauerischen Konventionen, wenn er natürlich gewachsenes Geäst in geometrische Formen zwingt. In der Binnenstruktur seiner geschwärzten Skulpturen strebt das Holz nicht mehr himmelwärts, sondern ist miteinander verknüpft wie das ungeordnet ineinanderwachsende unterirdische Wurzelgeflechte des Rhizoms. Wie in den Gemälden Caspar David Friedrichs verharren in Johanna Domkes Video „Let the Wind blow“ zwei Rückenfiguren vor einer Landschaftskulisse, die sich im Lauf der Zeit wandelt. Einzig ihre Kleider wehen leicht im Wind, sie selbst bleiben angesichts des ewigen Wechsels von Tag und Nacht regungslos. „Parasiten“ nennt Christiane Haase ihre Skulpturen. Ihre Skulpturen mit dem Titel „Kontrollverluste“ sind vermeintlich Gebilde aus Pappmaché und Maschendraht, die mit gefundenen Gegenständen verwachsen und noch scheinbar noch im Ausstellungsraum weiterwachsen möchten.

In einer fiktiven Geschichte verfolgt Nina Heinzel mit ihrer Serie „Die Luftwurzel“ das absurde Eigenleben einer Grünpflanze. In vermeintlich naivem Staunen über ihren Eigensinn beobachtet sie die Pflanze und führt den Betrachter auf das Glatteis der Ununterscheidbarkeit von Wahrheit und Lüge. „Der Mensch und seine Stellung im Kosmos“, dieser zentrale Topos der Romantik ist für Vivian Kahra von großer Bedeutung. Angeregt durch Fotografien erscheinen auf ihren großformatigen Zeichnungen einzelne Figuren, die scheinbar dem Fluß sich verändernder Bildlandschaften unterworfen sind. In Melancholie verharrend beobachten sie die sich wandelnde Welt. Zwischen Realität und Imagination, Motiv und Oberfläche schwanken die Bilder von Inge Krause. Auch sie geht von Fotografien aus, führt ihre Serie der „Berge“ jedoch in farbigen Pastellkreiden aus, um sie später Schicht um Schicht zu „verschleiern“ und den Bildern mit Acrylfarben eine hochglänzende, dem Blick eher unzugängliche, Oberfläche zu geben.

Wie die Nebellandschaften Caspar David Friedrichs führen diese Bilder in einen Bildraum, der auch ein seelischer Innenraum ist. Reale Landschaften, mit einer Großbildkamera aufgenommen, sind Ausgangspunkt für die Fotografien Michael Reischs. In digitaler Modellierung entfernt er menschliche Figuren und Spuren ihres Tuns. An die Stelle des Verursachers der sichtbaren Landschaft als kultivierte Natur tritt der Betrachter, denn Reichs großformatige Bilder eröffnen eine Perspektive der Möglichkeit den Bildraum unmittelbar betreten zu können. „Orte“ – lakonisch der Titel der Bilder von Klaus Walter, unbedeutend ihr Dasein. In Kooperation mit Knut Müller wurde daraus eine Animation als Film, der in seiner künstlichen Bewegtheit die trostlose Melancholie der menschlichen Aufenthaltsorte und ihre transitorische Qualität nur noch verstärkt.

Die Ausstellung wird am 8. September um 19 Uhr eröffnet. Schon um 18.30 Uhr haben Mitglieder des Kunstvereins und Gäste die Möglichkeit zu einer Vorbesichtigung mit den Künstlern. Am 23. September um 16 Uhr findet wieder das Ausstellungsgespräch kunst:thema statt.

Johanna Domke, Let the wind blow, 2003, Videostill (Courtesy Art Agents, Hamburg)

 

09.09.06 - 28.10.06 (Eröffnung 08.09.06, 19.00 Uhr)
freeze
Galerie des Landkreises Rügen
Alleestraße 14, 18581 Putbus
Dienstag bis Sonnabend 11 - 17 Uhr
T + F 038301 / 889704

31. August 2006

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