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TUSCULUM - DER TUSCULANER
Der NDR, Radio Mecklenburg-Voprommern brachte kürzlich ein Interview mit dem Initiator des Tusculum in Putbus. Wer es nicht hören konnte, kann es an dieser Stelle lesen: Putbus, Alleestrasse 5 - das ist auf Rügen nicht nur die Adresse einer kleinen Galerie, sondern zugleich eines originellen neuen Treffs für Kulturinteressierte, eingerichtet von Barbara und Heinz Nied aus Wiesbaden. Der Treffpunkt heisst Tusculum und dieser Name ist Programm, wie Holger von Berg (NDR) in Putbus erfuhr: "Tusculum ist nicht nur ein behaglicher Wohnsitz oder Lieblingsort. Tusculum hiess vor mehr als 2000 Jahren auch jene Stadt, in der der begnadete Philosoph und Rhetoriker Cicero lebte. Sein Haus in den Albaner Bergen stand immer offen für leidenschaftliche Diskussionen und Gespräche. Mit offenen Armen empfängt Heinz Nied seine Besucher, ein Händedruck zur Begrüssung und ein Willkommensgeschenk. "Weil man ja immer vom Glückspfennig sprach und es diesen ab 1. Januar nicht mehr gab, habe ich nach dem lateinischen Wort "do - ich gebe" einen Cent, also einen "Do-cent" unters Volk gebracht, und ich werde diese Regelung beibehalten, vielleicht 3, 4 Monate. Jeder, der zum erstenmal in diesen Raum kommt, wird einen Cent bekommen." Heinz Nied, Jahrgang 36. hat nach dem Abitur Schauspiel studiert, doch neben seinem Talent entdeckten seine Lehrer auch, dass er ein Mensch ist, der einen Regisseur nicht braucht und so wurde Heinz Nied Rezitator. Er gibt den Texten von Borchert, Kästner oder Hesse seine Stimme. Er ist freier Journalist, psychologischer Berater, Kunstsammler, Galerist, einer, der Preise stiftet, drei inzwischen an der Zahl. Sie sind nicht hoch dotiert und bis auf den Tusculum-Preis für bildende Kunst auch nicht sehr beliebt, denn wer möchte schon den Ignoranz-Preis für Gleichgültigkeit und Nicht-wissen-wollen in den Händen halten oder den Preis "Leere Blase" für politische Unkultur, Schaumschlägerei und Nichtbeantworten von Fragen und Briefen. Diese Preise sollen nun auch von Putbus aus vergeben werden. Als Rezitator kam Heinz Nied schon zu DDR-Zeiten gern zu Besuch in den Osten und nach Rügen. "Und mir fiel auf diese andere Form menschlicher Qualität, (zu) der ich mich sehr hingezogen fühlte." Von Anfang an wollte er die Rüganer einbeziehen in das Projekt Tusculum und so hat er den "literarischen Stuhlgang" inszeniert. "Jeder der von der Idee angetan ist oder sein wird, war eingeladen, einen Stuhl hier zu deponieren, dafür eine freie Vorstellung pro Jahr zu haben und vor allem, ich wollte mit der Vielfältigkeit der Stuhlformen und -farben aufzeigen, dass uns jeder Mensch hier in dem Raum willkommen ist und selbst entscheidet, ob er sich hier wohlfühlen kann." Etwa 40 Stühle zieren jetzt sein Tusculum. Schlichte Stühle aus den Siebzigern, verschnörkelte aus Uromas Zeit, moderne Kreationen. 20 mehr könnten es noch sein. Das Angebot steht. "Es werden hier Lesungen sein, es werden Diskussionen sein, es werden Vorträge sein, es werden selbstverständlich andere Künstlerinnen und Künstler das Angebot haben, hier auf der Bühne des Tusculum das zu zeigen, was sie gerne vermitteln möchten. Ich finde, dass Herzensbildung eine der Voraussetzungen und ein Geschenk für uns, für Barbara und mich sein wird, wenn man hier sich wohlfühlt. Das ist unser Honorar." Auch eine neue Zeitung, eine Kulturzeitung will Heinz Nied herausgeben. Dabei hilft ihm der Journalist und Rüganer Rüdiger Zeige. Der TUSCULANER wird das streitbare und gesellschaftskritische Organ heissen. "Praktisch als Dokumentation über die Arbeit, die hier stattfindet. Es soll aber auch in dieser Zeitschrift eine Auseinandersetzung stattfinden um die kulturellen Probleme auf der Insel, um die Naturprobleme, denn wir befinden uns ja im Biosphärenreservat hier mit unserem Standort in Putbus und deshalb habe ich zunächst halt nur ehrenamtlich meine Mitarbeit hier zugesagt, einfach weil Putbus wirklich der prädestinierte Standort dafür ist." Ein neuer Kulturtreff in Putbus. Ab 10. März wird er zusammen mit der Galerie täglich geöffnet sein. 07. Februar 2002 Das wäre doch ein Thema im DISKUSSIONS-FORUM
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