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Nachts der Traum...........

2084 

Wälder betrachten / in dreidimensional gestalteten Büchern / Nachts der Traum von Bäumen / am Rande der täglich befahrenen Straße / zwischen drei vier Städten / die keiner mehr trennen kann / Was Vögel sind fragen Kinder / Die Eltern zeigen einen Film / der Reihe Ausgestorbene Lebewesen

Und einmal pro Woche / ziehen die Familien aus / zur Erholung ins Natur­museum: / bestaunen Gräser Fische Pflanzen / und wundern sich / wie früher es Menschen aushalten konnten / inmitten des Gestanks / nicht künstlich gezüchteter Blumen.

 

           

Das Gedicht entstammt nicht der apokalyptischen Vision eines George Orwell, der einen seiner berühmtesten Romane  „1984“ nannte und damit die Verkommenheit eines diktatorischen Staates geißelte, der letztendlich Alles und Jeden überwachte, der die mündigen Gedanken der Bürger abzuschaffen gedachte. Es ist noch gar nicht so lange her, da das Reden, Schreiben und noch mehr der aktive Einsatz für unsere Natur unangenehme Folgen für den haben konnte, der Naturschutz anmahnte als beständige Aufgabe für den wachen, denkenden Menschen; der hinschaut, wo andere wegschauen. Wegschauen aus oft genug sehr vordergründigen Berechnungen...

Der Berliner Schriftsteller Lutz Rathenow, der kürzlich auf Rügen las, schrieb sein Gedicht zu Beginn der 80er Jahre (mit Sicherheit in Anlehnung an den Orwell-Roman 1984). Sein besorgter Blick richtete sich auf mögliche Zustände in der Zukunft (in seinem Gedicht ist nur wahlweise 2084 genannt), wenn, ja wenn Menschen nicht ablassen, Natur als willfähriges Objekt schneller Begierden zu betrachten. Natur ist nicht beliebig belastbar, ausbeutbar; ihre Ressourcen sind zeitlich begrenzt und manches ist schon heute unumkehrbar zum Sterben verurteilt. Mich stimmt es traurig, wenn Menschen dieser Insel mit dem noch existierenden natürlichen Reichtum so leichtfertig, so leichtsinnig umgehen. Vom "bürokratischen FFH-Overkill" ist die Rede, von einer drohenden Lendenschurzgesellschaft, in der Bewohner zu „Reservatsindianern" degradiere würden..., die Platitüden nehmen kein Ende.  Mich erinnert dieser  "Aufruhr“ an das Getue von Herrenmenschen, ihr "Auftritt" ist schlichtweg erbärmlich und insbesondere dann, wenn man an "Volkes Stimme“ appelliert und suggeriert, es könnte am Bettelstab der Natur verhungern. Rügen wird von Menschen besucht, die sich am Reichtum des noch Existierenden erfreuen, an der einzigenartigen Vielfalt von Fauna und Flora. Ihr Schutz muss uns beständig Aufgabe bleiben, gerade im Interesse unserer Gäste und unseres eigenen Auskommens. Oder wollen wir Natur - mit unseren Gästen - in der Zukunft „einmal pro Woche“, staunend im „Naturmuseum“ aufsuchen?

Walter G. Goes
Grafiker, Maler, Lyriker
18528 Bergen auf Rügen

Leserbrief zum Thema "Ausweisung von FFH - Gebieten auf der Insel Rügen". Gerne veröffentlichen wir auch Ihre Meinung hierzu. Einfach per mail zusenden. Ebenso können Sie diese in unserem Forum zur Diskussion stellen.   

    6. August 2003

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