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MachtUrlaub - Dokumentationszentrum Prora eröffnet neue Ausstellungen

Das Dokumentationszentrum Prora eröffnet am Freitag, den 30. Juli 2004 seine neugestaltete Dauerausstellung MACHTUrlaub über das „Kraft-durch-Freude-Seebad Rügen“ und zur Arbeits- und Sozialgeschichte des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass werden u. a. Frau Gabriele Muschter, Vorstand der Stiftung NEUE KULTUR, Herr Horst Schaumann, Bürgermeister der Stadt Binz, Herr Minister Dr. Till Backhaus, Landesvorsitzender der SPD von Mecklenburg-Vorpommern sowie Herr Peter Ritter, MdL, Landesvorsitzender der PDS von Mecklenburg-Vorpommern, sprechen. Herr Prof. Dr. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin, wird den Festvortrag halten.

Das „KdF-Seebad“ in Prora bildet neben dem „Reichsparteitagsgelände“ in Nürnberg und dem Berliner Olympiastadion die größte architektonische Hinterlassenschaft des Nationalsozialismus. Dieser Ort bedarf einer didaktischen Begleitung, die jetzt, nach jahrelanger wissenschaftlicher Vorbereitung, in wesentlichen Teilen realisiert wurde und vorgestellt wird. Die Ausstellung wurde als europäisches Projekt mit Partnern aus Tschechien, Polen und Holland von der Europäischen Union maßgeblich gefördert. Der Themenkomplex wird zum ersten Mal umfassend in einer Dauerausstellung präsentiert und schließt damit eine Lücke in der Erinnerungslandschaft zum Nationalsozialismus.

Die Ausstellung gliedert sich in zwei große Themenbereiche: Der erste Teil dokumentiert die Bau- und Nutzungsgeschichte des nunmehr denkmalgeschützten Gebäudes von 1935 bis in die Gegenwart. Mit dem Seebad wollte die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ jeweils 20.000 „Volksgenossen“ einen preiswerten Urlaub ermöglichen. Dieser Urlaub sollte allerdings kein Selbstzweck sein, sondern stand im Dienst der Kriegsvorbereitungen des Regimes.

Der zweite Teil behandelt die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ und bettet den historischen Ort „Prora“ und damit die NS-Freizeitpolitik in den weiteren Kontext der Arbeits- und Sozialgeschichte dieser Zeit ein. Sie wurde wesentlich durch das Modell einer angeblich egalitären „Volksgemeinschaft“ strukturiert. Die Ausstellung zeigt dabei die federführenden Institutionen und ihre Propaganda ebenso wie die sozialen Realitäten, die nicht dem Propagandabild entsprachen: Die „Volksgemeinschaft“ war durch soziale Ungleichheit und die Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen gekennzeichnet. Nur die Deutschen, die „rassisch“ und politisch dem Wunschbild der Nationalsozialisten entsprachen, sollten Anrecht auf die sozialen Leistungen, wie etwa den Urlaub in Prora, haben.

Die Ausstellungseröffnung findet statt am Freitag, den 30. Juli 2004, um 16.00 Uhr
im Dokumentationszentrum Prora, Objektstr. 1, 18609 Prora

Zum gleichen Termin eröffnen wir die Ausstellung „Sie mussten für das Reich arbeiten – tschechische Zwangsarbeiter in Deutschland“. Sie wird in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Prag und dem Institut für Zeitgeschichte Prag präsentiert. Es sprechen Dr. Oldrich Tuma, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte Prag, und Frau Dr. Zdenka Kokoskowa, Kuratorin der Ausstellung.

Das Dokumentationszentrum Prora ist ein Ausstellungs- und Kommunikationszentrum in der Anlage des ehemaligen KdF-Bades in Prora auf Rügen. Der 4,5 km lange, denkmalgeschützte Gebäudekomplex wurde im Auftrag der „NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude“ zwischen 1936 und 1939 gebaut und größtenteils auch vollendet. Mit einer Ausstellung zur Bau- und Nutzungsgeschichte der Anlage und ihren politischen Hintergründen möchte das Dokumentationszentrum Prora eine Lücke in der Erinnerungslandschaft der Bundesrepublik schließen und zu einer kritischen, wissenschaftlichen Aufklärung über das historische Denkmal beitragen. Begleitet wird die Dokumentation durch Wechselausstellungen und Veranstaltungen mit Themen zu Geschichte, Architektur, Kunst und Politik. Ein Tätigkeitssschwerpunkt liegt in der Arbeit mit Zeitzeugen. Das Dokumentationszentrum Prora ist ein Projekt der Stiftung NEUE KULTUR.

www.dokumentationszentrum-prora.de
Kontakt: Lara Ribbentrop
Stiftung NEUE KULTUR · Projektgruppe Prora
Gormannstraße 10, 10119 Berlin
Tel: 030/ 28096669   Fax: 030/ 27594167
mail: info@proradok.de

              

     13. Juli 2004

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